Bundesfreiwilligendienst im Sport

Datum: 10:14:33 08.12.2011
Letzte Aktualisierung
08:07:27 22.02.2012
Autor: Klaus Hettrich
Kategorie: Allgemein
Deutsche Turnerjugend koordiniert Einsatzstellen in Vereinen

Für die Turnvereine, -kreise, -gaue und -verbände hat sich ein Loch aufgetan, nachdem die Bundesregierung den Zivildienst Anfang dieses Jahres aussetzte. Denn auf die Unterstützung von Zivis zu verzichten, bedeutete zunächst einen großen Verlust. Um dies teilweise zu kompensieren, führte die Bundesregierung zum 1. Juli 2011 den Bundesfreiwilligendienst (BFD) ein. Er ist eine Ergänzung zu den bereits seit zehn Jahren bestehenden Freiwilligendiensten „Freiwilliges Soziales Jahr“ (FSJ) und „Freiwilliges Ökologisches Jahr“ (FÖJ). Neu am BFD ist, dass nach oben hin keine Altersbegrenzung für die Freiwilligen besteht und er um die Bereiche Sport, Integration, Kultur und Bildung erweitert ist.
 
Einer der Träger für den Bundesfreiwilligendienst im Sport ist die Deutsche Turnerjugend (DTJ). Die Jugendorganisation des Deutschen Turner-Bundes (DTB) fungiert also als Dienstleister und übernimmt die Verwaltung und Organisation der Einsätze aller Freiwilligen in den Turnvereinen, -kreisen, -gauen und -verbänden. „Der BFD im Sport dient als Bildungs- und Orientierungsjahr, in dem die Freiwilligen Einblicke in das Arbeitsumfeld Sport erhalten und neue Erfahrungen sammeln können. Deshalb sind wir froh, mit der DTJ einen kompetenten Träger für den BFD zu haben“, so Dr. Jaana Eichhorn, verantwortliche Referentin für Freiwilligendienste bei der Deutschen Sportjugend (dsj). Ziel ist es, möglichst vielen Menschen jeden Alters einen Einsatz für die Allgemeinheit und die positive Erfahrung von bürgerschaftlichem Engagement zu ermöglichen. Ab sofort können engagierte Menschen also auch in Turnvereinen ihren Bundesfreiwilligendienst leisten. Einzige Voraussetzungen dafür sind:
 
·         16 Jahre und älter
·         Vollzeitschulpflicht erfüllt
·         mind. 20,5 Stunden Zeit pro Woche (für Freiwillige über 27 Jahre)
·         Einsatzbereitschaft von sechs bis max. 18 Monaten
 
Jeder Freiwillige erhält während des BFD ein monatliches Taschengeld, wird gesetzlich sozialversichert, hat die Chance sich im Sport zu engagieren, neue Kontakte zu knüpfen und sich viele Fähigkeiten im alltäglichen Miteinander im Sport anzueignen. Grundsätzlich ist der BFD vergleichbar einer Vollzeitstelle zu leisten. Für Freiwillige, die älter als 27 Jahre sind, ist es auch möglich, sich Teilzeit mit mindestens 20,5 Stunden pro Woche zu engagieren.
Der BFD wird auch pädagogisch begleitet, um soziale, ökologische, kulturelle und interkulturelle Kompetenzen zu vermitteln. Deshalb hat sich die DTJ darauf verständigt, dass Bundesfreiwilligendienstleistende im DTB an 15 Bildungstagen eine sportspezifische Lizenz erwerben wie z. B. Übungsleiter Kinderturnen. Zudem erhalten sie weitere fünf Bildungstage zur Spezialisierung. Und alle Freiwilligen unter 27 Jahren bekommen an fünf Tagen zusätzlich politische Bildung.
 
Das Prinzip der Trägerschaft
Die dsj ist die Zentralstelle für den Bundesfreiwilligendienst im Sport und die Einsatzstellen sind die jeweiligen Sportvereine. Der BFD im Sport wird von Trägern wie der Deutschen Turnerjugend umgesetzt. Damit ist gesichert, dass die Freiwilligen auch außerhalb ihrer Einsatzstelle professionelle Ansprechpartner haben, die sie in Problemfällen unterstützen. Gleichzeitig dienen die Träger als Dienstleister für die Einsatzstellen und unterstützen diese etwa in der Verwaltungsabwicklung. „Wir sehen im BFD eine große Chance zur Personalentwicklung in unseren Strukturen und suchen deshalb ab sofort Einsatzstellen und Freiwillige“, berichtet Annette Weimann, Geschäftsführerin der Deutschen Turnerjugend.
 
Die DTJ nimmt ihre Trägerrolle bereits wahr, indem der DTB jetzt die ersten beiden BFD-Stellen ausgeschrieben hat: Veranstaltungsmanagement und Betreuung der DTB-TurnCamps. Die Stellenausschreibungen sind auf der Website www.dtj-freiwilligendienst.de oder in der Jobbörse unter www.dtb-online.de zu finden.
 
Die DTJ als Träger ist zuständig für das Einhalten der gesetzlichen Grundlagen, die sozialpädagogische Begleitung und Qualifizierung der Freiwilligen, das Organisieren und Durchführen von Seminartagen, das Bearbeiten zur Anerkennung der Einsatzstellen, die Zulassung der Freiwilligen in Zusammenarbeit mit den Einsatzstellen und die Auszahlung des Taschengeldes. Zudem muss der Träger (DTJ) die Kosten für Seminarblöcke und zahlreiche Verwaltungsaufgaben übernehmen. Dazu gehören unter anderem die An- und Abmeldung bei den Sozialversicherungsträgern und das Abführen der Sozialversicherungsbeiträge, die Anmeldung bei der Berufsgenossenschaft, das Erstellen der Einsatzverträge und Lohnabrechnungen, die Beantragung und Abwicklung der Zuschüsse u.v.m.
 
Davon profitieren die Einsatzstellen
Eine Stelle im Bundesfreiwilligendienst darf zwar keinen festen Arbeitsplatz ersetzen, jedoch können die Freiwilligen in den verschiedensten Bereichen eine große Unterstützung für die tägliche Arbeit im Turnverein, -kreis, -gau und -verband sein. Einsatzprofile sind:
 
·         Projekt- und Veranstaltungsmanagement im Sportverein und -verband
·         Sportartspezifische Tätigkeiten (z. B. Kinder- und Jugendsport)
·         Arbeit mit besonderen Zielgruppen im Sport (Ältere, Migrantinnen, Kinder …)
·         Sporträume (u. a. handwerkliche und gärtnerische Tätigkeiten)
·         Umwelt- und Naturschutz im Sport
·         Spitzensport
 
Vorteil für die Vereine ist, dass sie auf die Unterstützung eines Freiwilligen bauen können und der Bund die Stelle anteilig fördert. Die Gesamtkosten, die eine Einsatzstelle nach Abzug aller Zuschüsse noch selbst aufbringen muss, betragen monatlich 340 Euro bei einem Einsatz des Freiwilligen von 39 Stunden pro Woche, 260 Euro bei 30 Stunden pro Woche und 180 Euro bei 20,5 Stunden Einsatz pro Woche.
 
Wer als Einsatzstelle für den BFD anerkannt werden möchte, muss zwei grundlegende Voraussetzungen erfüllen. Zum einen muss die Einsatzstelle gemeinwohlorientiert sein und zum anderen muss eine Fachkraft die pädagogische, fachliche und persönliche Betreuung der Freiwilligen sicherstellen. Den Anerkennungsantrag können interessierte Vereine bei der DTJ per E-Mail anfordern: bfd@dtb-online.de.
 
Grundsätzlich ist der Bundesfreiwilligendienst eine Win-win-Angelegenheit, die sowohl die Freiwilligen als auch die Turnvereine, -kreise, -gaue und -verbände stützt. Mögliche Einsatzgebiete für Freiwillige auf Vereinsebene können sein:
·         Kooperation Schule, Kindergarten und Verein (Kinderbetreuung in der offenen Ganztagsschule)
·         Vereinsorganisation (administrative Tätigkeiten)
·         Sporträume und Umwelt (handwerkliche, gärtnerische Tätigkeiten)
·         Veranstaltungsmanagement (Wettkämpfe, Feste …)
·         Kinderturn-Club Leiter (Umsetzung von Kinderturnen im Verein)
Natürlich haben die Einsatzstellen auch gewisse Aufgaben zu erfüllen. Sie führen das Bewerbungsverfahren der Freiwilligen in Eigenregie durch, sodass sie die passenden Personen für ihre Stelle selbst auswählen können. Zudem leiten die Einsatzstellen die Freiwilligen an und betreuen sie, mit dem Ziel ihnen einen guten Einblick in die jeweiligen Aufgaben und Abläufe zu geben. Dabei müssen 26 Tage Urlaub gewährleistet werden und die Freiwilligen sind für die Weiterbildungstage (inkl. Lizenzerwerb) freigestellt.
 
Bundesamt fördert das Engagement
Gefördert wird der Bundesfreiwilligendienst seit seiner Einführung am 1. Juli 2011 durch das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA). Es ist binnen kürzester Zeit gelungen, Strukturen für einen neuen Freiwilligendienst auf Bundesebene zu schaffen, der mit Mitteln ausgestattet wurde, die für den Einsatz von bis zu 35.000 Freiwilligen im Jahr ausreichen. Mittlerweile leisten bereits mehrere tausend Freiwillige auf der Grundlage eines vom Bundestag verabschiedeten Gesetzes den Bundesfreiwilligendienst und machen dort wichtige Erfahrungen.
 
Im FSJ im Sport sind derzeit über 2.000 Jugendliche tätig. „Eine vergleichbare Zahl von Bundesfreiwilligendienstleistenden könnte in etwa drei Jahren erreicht sein“, bewertete Jaana Eichhorn die Chancen des BFD im Sport. Denn die Träger des FSJ und FÖJ berichten seit mehreren Jahren, dass es mehr Bewerber gäbe als Einsatzstellen. Durch den Bundesfreiwilligendienst wird man sicherlich neue Einsatzstellen gewinnen können.
Deshalb gilt es jetzt, den neuen Freiwilligendienst so gut wie möglich bekannt zu machen. Einsatzstellen haben die Möglichkeit, bei ihrer Werbung um Freiwillige auf Informationsmaterial und die Unterstützung durch die DTJ zurückzugreifen.
 
 
Einsatzstelle werden – so einfach geht’s!
Alle Turn- und Sportvereine, Turnkreise, -gaue und -verbände die ¬Interesse daran haben Einsatzstelle für den Bundesfreiwilligendienst zu werden, können sich direkt an die Deutsche Turnerjugend wenden.
 
Bettina Spycher & Annette Weimann | Tel.: 069/67801-146 | E-Mail: bfd@dtb-online.de
 
Weitere Informationen im Internet unter www.dtj-freiwilligendienst.de
 
 
Entnommen dem Redaktionsservice für die Öffentlichkeitsarbeit der Turnverbände des DTB für November 2011.