Service > Meldungen > Deutscher Meister: Grafenrheinfelder Jugend tanzt – und Bergrheinfeld auch

Datum: 15:36:31 09.05.2012
Letzte Aktualisierung
15:36:31 09.05.2012
Autor: Klaus Hettrich
Kategorie: Korbball

Da gab es noch nie bei deutschen Meisterschaften im Korbball: Mit TuS Helpup gewann zum ersten Mal eine Mannschaft aus Nordrhein-Westfalen den Titel bei den Frauen. Im Endspiel setzte sich Helpup gegen den Titelverteidiger SG Findorff-Bremen mit 3:2 (1:1) durch. Rang drei ging an den lokalen Branchenführer und bisherigen Vizemeister, die SpVgg Hambach.
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Es war ein echter Krimi, den Hambach in der Schweinfurter Georg-Wichtermann-Halle durchstehen musste. Beim 10:9 (7:7, 5:5, 1:3) nach Viermeter hatte die Spvgg in der letzten Hälfte der zwei mal fünfminütigen Verlängerung gegen den TSV Heiligenrode Glück, nicht in Rückstand geraten zu sein, da die norddeutsche Eckspielerin Romina von Öhsen öfters sträflich ungedeckt gelassen wurde. Im Viermeter-Werfen gaben sich Claudia und Melanie Katzenberger sowie wie Bettina Köhler keine Blöße während Heiligenrodes erster Werferin, der 20-jährigen Jessica Pawlowski, die Nerven versagten. Die meisten anderen Mitglieder ihres Teams sind fast doppelt so alt.

Schnell machte im Umfeld die despektierliche Bezeichnung „Hausfrauentruppe“ die Runde als man die TSV-Spielerinnen, immerhin Vizemeister der Bundesliga-Nord, und ihr ungewöhnliches System, mit vielen kurzen Doppelpässen und Dreieckskombinationen auf engem Raum Korbball zu spielen, sah. Und das alles mit relativ geringem Bewegungsaufwand. Entweder am Kreis kommt dann eine Spielerin völlig frei zum Wurf oder es wird aus der Ferne geworfen. Gegen Hambach reichte diese Taktik zu einer 5:1-Führung nach 26 Minuten. „Der Türöffner war die Zweiminuten-Strafe“, erklärte später Hambachs Trainer Klaus Tropsch. Die Überzahl nutzte Bettina Köhler zu einem Doppelschlag in der 35. und 36. Spielminute zum 4:5, ehe Maureen Black 33 Sekunden vor dem Ende die Nerven behielt und eine Kreiskombination erfolgreich zum 5:5 abschloss.

Hambachs Weg führte nach einer lebhaften Partie mit einem knappen aber nicht unverdienten 6:4 über TuS Sudweyhe und einer 8:9-Niederlage gegen Findorff Bremen ins Halbfinale. Daraus folgte eine Kuriosität, die der Spielmodus ermöglichte: Die rund 700 Zuschauer bekamen am Sonntag Mittag mit Findorff-Bremen gegen Hambach und Helpup gegen Heiligenrode die gleichen Paarungen zum Halbfinale präsentiert, die es in den Gruppenspielen gab.

„Das war Korbball auf allerhöchstem Niveau“

Hambachs Trainer Klaus Tropsch über das Halbfinale seines Teams gegen Bremen

Im Endeffekt gewannen erneut Helpup gegen Heiligenrode (6:3) und Findorff-Bremen gegen Hambach, diesmal mit 5:3. „Das war Korbball auf allerhöchstem Niveau“, sagte Tropsch, der unmittelbar nach der Halbfinal-Niederlage demonstrativ Beifall klatschte. Er räumte eine „verdiente Niederlage“ ein, obwohl man das durchaus anders bewerten kann. Zugegeben: Hambach hatte den Beginn verschlafen, lag 0:3 hinten, spielte auch zu unflexibel. Es ging praktisch knapp zehn Minuten alles über rechts mit Marion Hofmann und Maureen Black, wobei die Durchschlagskraft fehlte. Erst mit der Spielverlagerung auf links mit Melanie Katzenberger und Danuta Golombek wurde es besser. Aber es fehlte es an Wurfgenauigkeit gegen Bremerinnen, die nach der Pause wenig im Angriff zu bieten hatten. Das 4:2 durch Bremens Nicole Richters beherzte Einzelaktion vermochte lediglich Melanie Katzenberger noch zum 4:3 per Viermeter zu verkürzen. Den 5:3-Endstand besorgte Melanie Niestedt gegen die geöffnete Hambacher Abwehr.

Das Finale gewann das Helpup dank besserer Fernwürfe gegen Findorff-Bremen knapp aber nicht unverdient 3:2 (1:1). Dramatik gab es am Schluss: Bei 2:2 verwarf Bremen fünf Minuten vor Ende einen Viermeter, drei Minuten später war Wiebke Kniepkamps Heber für Bremens glänzende Korbfrau Franziska Habel unparierbar. „Wir haben zurecht verloren, da wir die eigenen Chancen nicht genutzt haben und Helpups Fernwürfe zuließen“, sagte Bremens Trainer Dieter Böttcher, der nach 48 Jahren Trainertätigkeit abtrat.

Seine Spielerinnen hatten extra Abshieds-T-Shirts entworfen für den Trainer, der in 48 Jahren 30 Titel gewonnen hatte. „Ich gehe ohne Wehmut, es war eine schöne Zeit“, so der 64 Jahre alte Böttcher, der zufrieden war, weil seine stark verjüngte Mannschaft gut funktionierte.

Die deutsche Korbball-Meisterschaft in Zahlen

Frauen

Gruppenspiele: TuS Eisbergen – TSV Heiligenrode 5:6 TuS Sudweyhe – SpVgg Hambach 4:6 TuS Helpup – TuS Sudweyhe 5:3 SG Findorff Bremen – SpVgg Hambach 9:8 TuS Helpup – TSV Heiligenrode 8:3 SG Findorff Bremen – TuS Eisbergen 13:3.

Tabelle: 1. SG Findorff Bremen 6 Punkte/22:11 Körbe 2. TuS Helpup 6/13:6 3. SpVgg Hambach 3/14:13 4. TSV Heiligenrode 3/9:13 5. TuS Sudweyhe 0/7:11 6. TuS Eisbergen 0/8:19

Halbfinale: SG Findorff – SpVgg Hambach 5:3 TuS Helpup – TSV Heiligenrode 6:3

Um Platz 5: TuS Sudweyhe – TuS Eisbergen 4:9

Um Platz 3: SpVgg Hambach – TSV Heiligenrode 10:9

Finale: TuS Helpup – SG Findorff 3:2. Korbfolge: 1:0 Nicole Freitag (8.), 1:1, 1:2 Nadja Neunaber (12., 21.), 2:2 Yvonne Kunau (28.), 3:2 Wiebke Kniepkamp (39.).

Jugend 19

Gruppe 1: TuS Helpup – TSV Bergrheinfeld 7:2 TV Feldkirchen – TuS Helpup 0:8 TSV Bergrheinfeld – TV Feldkirchen 10:1

Tabelle: 1. TuS Helpup 6/15:2 2. TSV Bergrheinfeld 3/12:8 3. TV Feldkirchen 0/1:18

Gruppe 2: TSG Seckenhausen – SG Findorff 7:2 SG Dittelbrunn – TSG Seckenhausen 3:5 SG Findorff – SG Dittelbrunn 4:6

Tabelle: 1. TSG Seckenhausen 6/12:5 2. SG Dittelbrunn 3/9:9 3. SG Findorff 0/6:13

Halbfinale: TuS Helpup – SG Dittelbrunn 6:9 TSG Seckenhausen – TSV Bergrheinfeld 3:9

Um Platz 5: SG Findorff – TV Feldkirchen 6:8

Um Platz 3: TuS Helpup – TSG Seckenhausen 10:4

Finale: SG Dittelbrunn – TSV Bergrheinfeld 3:7.

 

Jugend 15

Gruppe 1: SV Schraudenbach – TV Kärlich 12:1 SV Brake – SV Schraudenbach 3:9 TV Kärlich – SV Brake 6:6.

Tabelle: 1. SV Schraudenbach 6/21:4 2. SV Brake 1/9:15 3. TV Kärlich 1/7:18

Gruppe 2: FC Gessel-Leerßen – TuS Helpup 7:7 TSV Grafenrheinfeld – FC Gessel-Leerßen 4:3 TuS Helpup – TSV Grafenrheinfeld 3:5.

Tabelle: 1. TSV Grafenrheinfeld 6/9:6 2. FC Gessel-Leerßen 1/10:11 3. TuS Helpup 1/10:12

Halbfinale: SV Schraudenbach – FC Gessel-Leerßen 8:2 TSV Grafenrheinfeld – SV Brake 10:5.

Um Platz 5: TV Kärlich – TuS Helpup 6:9.

Um Platz 3: FC Gessel-Leerßen – SV Brake 6:5.

Finale: SV Schraudenbach – TSV Grafenrheinfeld 5:7.

 

Schiedsrichter aus Unterfranken: Udo Sauer/Ulla Willacker und Britta Lutz/Michael Kretzschmar.

Zuschauer: 1000.

Besonderes Vorkommnis: In einem Spiel brach der Korb an der Gabel. 35 Minuten Unterbrechung beim Spiel Helpup – Heiligenrode. Ersatzkorb wurde vom TVO organisiert.